Günter de Bruyn: Der neunzigste Geburtstag. Ein ländliches Idyll.

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Im Mittelpunkt steht das ungleiche Geschwisterpaar Leonhard  und Hedwig Leydenfrost, das  zurückgezogen im heruntergekommenen ehemaligen Gutshaus der Eltern im brandenburgischen Dorf Wittenhagen lebt. Leo, ein  pensionierter Bibliothekar,  war im Osten geblieben,  Hedwig, eine ehemalige Kinderärztin, nach der „Wende“ aus dem Westen zurückgekehrt. Mit im Gutshaus leben Leos Tochter Wilhelmine, sein Enkel Walter und Hedwigs erwachsene Pflegetochter Fatima.

"Der neunzigste Geburtstag“, lautet der Roman mit dem ironischen Untertitel „Ein ländliches Idyll“. Die Handlung spielt 2015,  dem Jahr, in welchem die Bundeskanzlerin  die Grenze für Geflüchtete geöffnet hat.  Mit der Losung  „Wir schaffen das!“  Und die Flüchtlingskrise selbst im abgelegenen Wittenhagen ankommt. In diesem Jahr steht auch Hedwigs 90. Geburtstag an, die sich statt Geschenken eine Geldsumme zur "Gründung eines Willkommensvereins" für  Flüchtlinge wünscht, welche im Dorf eine Bleibe finden sollen.  Die allerdings gar nicht kommen werden, da sie Berlin bevorzugen.

Die unterschiedliche Weltsicht  der Geschwister, die selten einer Meinung sind, spiegelt sich in deren Gesprächen und Rückerinnerungen. Wie in einem Brennglas gebündelt zeigt sich die tiefe Zerrissenheit der bundesrepublikanischen Gegenwart durch die Ost- und West- Vergangenheit wie die Flüchtlingskrise. Ein Konflikt, der selbst Familien entzweit.

So konnte der introvertierte Leo, der von Kindheit an in Büchern lebt, im realexistierenden Sozialismus als Freigeist keine Karriere machen. "Sich verordneten Denksystemen anzupassen, hatte Leo also vermieden. Ihm waren die Marxisten und Anarchisten nicht weniger fragwürdig als die Existentialisten und die Kapitalismus-Verehrer gewesen, und wenn damals schon von Islamisten die Rede gewesen wäre, hätte er diese schon ihrer Frauenverachtung und höchst unbequemen Lebensweise wegen abgelehnt."

Er wollte nie Teil einer Hammelherde sein

Hedwig, "Hedy", die geborene Aktivistin, einst begeisterte "Führerin" der Jungmädel,  was sie später schamhaft verschweigt, folgt als Erwachsene  wiederum "blindlings verworrenen Utopien", nutzt die in der Jugend erworbenen Kompetenzen für ihre Karriere im Westen  als Polit-Aktivistin. Opfert dafür sogar zwei Kinder, was sie im Alter am meisten bedauert. Auf Spaziergängen erinnert sich die hochbetagte Hedwig voller Wehmut an das dörfliche Leben ihrer Kindheit, an die Bäume, an die Tiere, was sie sich lange nicht erlaubt hat wegen ihrer damaligen kindlichen Begeisterung für den "Führer". Empfindet nun jedoch eine innere und äußere Verarmung.

Leo hingegen geht nie mit der "Hammelherde", ist  nie  "Mitläufer", muss erleben, wie Ex- Stasileute, die Täter von einst,  wieder in Amt und Würde sind. Leos überangepasste Töchter sind mit solchen liiert.  Mitläufer brauche ja jede Regierung, weiß Leo. Sein eigener Sohn, ein "strenger Genosse Major", der den Kontakt zum Vater abgebrochen hat, wechselt problemlos vom Ost- zum West-Geheimdienst.  Praktiziert Leo zu DDR-Zeiten den Besuch des Gottesdienstes als Widerstandsgeste gegen den staatlich verordneten Atheismus,  so nach der Wende als  Bekenntnis zur Tradition in Zeiten der verordneten Globalisierung. Hedwig, "Oppositionelle vom Dienst",  lehnt jede "christliche Veranstaltung" ab,  Weihnachten im besonderen,  da Muslime wie Atheisten durch das Fest ausgeschlossen würden.

In der "Nachwende" verlassen die Jungen den Osten, besserwisserische, bornierte Westler tauchen auf. Begriffe wie "Weltoffenheit", "Heimat, "Kultur" sollen nun im Zusammenhang mit der "Willkommenskultur"  neu definiert werden, christliche Symbole aus Friedhöfen verschwinden, um Muslime nicht zu diskriminieren, belehrt Frau Grünlich, eine jüngere Parteifreundin Hedwigs, nun Teil des Staatsapparates, Leo.  Welche ihn in ihrem Auftreten und in ihrer "politischen Korrektheit"  an ehemalige DDR-Funktionärinnen erinnert. Der streitbare Leo, der  sein "unabhängiges Denken" bekräftigt,  habe  "in seinem langen Leben schon schlimmere Umdeutungen zu politischen Zwecken (…) ertragen müssen", bemerkt  lapidar der Erzähler. Frau Grünlich jedoch wittert in ihm einen "Rassisten".

In Zeiten des Umbruchs

Über weite Strecken liest sich de Bruyns Roman wie eine Realsatire. Jedoch nie bösartig. Urkomisch, als bei der Aufführung des kleinen Bühnenstücks "Nothilfe", welches zu einer Art Krippenspiel mutiert, zu Ehren der zu erwartenden Flüchtlinge der Schlusschor - angeleitet von dem Schulmädchen Angela - "Wir schaffen das!" - intoniert.

Nahezu lyrisch wird Günter de Bruyn, wenn er vom "Gelb des Johanniskrauts", vom "Blau der Wegwarte" und vom "Rot des Klatschmohns"" spricht. Überbleibsel alter Kulturlandschaften.

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Indes richtet sich die  junge Generation ein in all den Veränderungen. Enkel Walter studiert lieber "irgendetwas Technisches mit  Berufsaussichten". Der Literatur habe er abgeschworen, weil die doch nichts bringe. Die "Gattung der Bücherleser" scheine wie die Feldlerche vom Aussterben bedroht zu sein, fürchtet Leo. Fatima und die kluge Pastorin Anna Merkel (nicht  verwandt und verschwägert mit der gleichnamigen Kanzlerin) kommen sich näher. Die aber wird von den Kirchenoberen ersetzt durch einen angepassten  jungen Mann, der mit seinen "geschlechtsneutralen Bibellesungen" und "Gebeten" die letzten Kirchgänger vertreibt.

Der Roman ist Lesevergnügen pur. Brillant erzählt er vom Altern und Sterben, vom Abschiednehmen und Verlusten unterschiedlicher Art in Zeiten des Umbruchs.

 

Günter de Bruyn wurde am 1. November 1926 in Berlin geboren und lebt heute im brandenburgischen Görsdorf bei Beeskow als freier Schriftsteller. Er wurde mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet, u.a. dem Heinrich-Böll-Preis, dem Thomas-Mann-Preis, dem Nationalpreis der Deutschen Nationalstiftung, dem Eichendorff-Literaturpreis und dem Johann-Heinrich-Merck-Preis. Zu seinen bedeutendsten Werken gehören u.a. die beiden kulturgeschichtlichen Essays "Als Poesie gut" und "Die Zeit der schweren Not", die autobiographischen Bände "Zwischenbilanz" und "Vierzig Jahre" sowie die Romane "Buridans Esel" und "Neue Herrlichkeit". (Fischer Verlag)

 

Günter de Bruyn: Der neunzigste Geburtstag.

S. Fischer Verlag

 

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